Funktionstherapie – die Kräfte in die richtigen Bahnen lenken

Wenn die Verschlüsselung der Zähne zwischen Ober- und Unterkiefer nicht exakt gelingt, dann versucht der Organismus diesen Fehler entweder durch Abrieb der störenden Zahnflächen, also durch Knirschen, zu beseitigen, was Muskulatur und Gelenke erheblich überlastet, oder er weicht mit seiner Kopfhaltung in eine weniger belastende Relation aus. Dann müssen die Nackenmuskeln - und in der Folge die gesamte Wirbelsäule - den Fehler kompensieren. Chronische Schmerzen im Bewegungsapparat sind somit häufig die Folge von Fehlern im "Biss".

Ziel der Funktionstherapie ist es, die fehlerhafte Verschlüsselung aufzulösen. Dazu werden Ober- und Unterkieferzähne mit Hilfe einer Aufbiss-Schiene daran gehindert, in die gewohnte Position zu gleiten. Stattdessen haben die Kaumuskeln Gelegenheit sich zu entspannen und so die Gelenke in eine ausbalancierte, in der Gelenkpfanne zentrierte Position zu führen. Durch die Funktionsstörung hervorgerufenen Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, schmerzhafte Myogelosen der Kaumuskeln, Drehschwindel, Tinnitus u.a. lindern sich häufig schlagartig.

In den ersten Wochen nach Eingliederung der Schiene wird die Oberfläche der Schiene mehrfach angepasst, bis sich die Gelenke bei entspannter Muskulatur in der Gelenkpfanne zentriert haben. Mit Hilfe eines speziellen Messgerätes (T-Scan) können wir die Kraftverteilung und den Bewegungsablauf computergestützt aufzeichnen und auswerten, so dass die subjektiven Angaben des Patienten und unsere Messwerte abgeglichen werden. Entsprechend genau sind unsere Möglichkeiten eine Schiene individuell zu korrigieren.

Soll die entspannte Position, die der Patient mit seiner Schiene einnehmen kann, auch auf die Zähne übertragen werden, so dass das Tragen der Schiene überflüssig wird, stehen dafür mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Im Idealfall kann man durch kleine Korrekturen auf den Kauflächen eine gleichmäßige Kraftverteilung erreichen. Bei größeren Abweichungen können wir die Kauflächen mit keramischen Teilkronen umgestalten und geplanten Zahnersatz in die Veränderungen einbeziehen. Bei umfangreichen Abweichungen der Okklusion von der idealen Verzahnung schalten wir einen Sicherheitsschritt zwischen. Wir gestalten dann die Zähne mit Hilfe von langzeitprovisorischen Kronen und Brücken oder langzeitprovisorischen Chips, die auf die Kauflächen aufgeklebt werden, um. Erst wenn der Patient völlig beschwerdefrei mit dieser Okklusion klarkommt und auch die übrigen Vorbehandlungen abgeschlossen sind, fertigen wir den engültigen Zahnersatz an.